Begriffserklärungen

Trans*

Im Folgenden erläutern wir einige Verwendungsweisen von Trans*. Das mag zunächst verwirrend klingen, denn diese Begriffe sind nicht starr und statisch, sondern werden von unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Kontexten verschieden verwendet. Es gibt also immer wieder Diskussionen und Kontroversen darum, wie die Begriffe zu verstehen sind. Wir wollen hier nur versuchen, einen vorläufigen Überblick zu geben in dem Bewusstsein, dass wir niemals alle Verwendungsweisen abdecken können. Ebenso können wir nicht alle Begriffe hier definieren, mit denen sich trans* Menschen selbst beschreiben. Grundlegend wichtig ist es, jeden Menschen nach der eigenen Selbstbezeichnung zu fragen und diese zu respektieren.

Frau/Mann mit transsexueller/transidenter Vergangenheit

Diese Bezeichnung wird von manchen Menschen verwendet, die Trans* als vorübergehendes Stadium verstehen auf dem Weg zu ihrem Identitätsgeschlecht als Frau oder Mann.

Transfrauen

Transfrau ist eine mögliche Selbstbezeichnung von Frauen oder sich (überwiegend) als weiblich verstehende Menschen, denen bei der Geburt das Geschlecht „männlich“ zugewiesen wurde (andere Selbstbezeichnungen sind  beispielsweise MzF (Mann-zu-Frau), MtF (Male-to-Female), Transweiblichkeiten oder Mann-zu-Frau-Transidenten).

Transgender

Der Begriff wird auf vielfältige und unterschiedliche Weise verwendet und ist, wie so viele andere auch, umstritten. Im engeren Sinne wird er von Menschen verwendet, die sich selbst nicht oder nicht nur mit dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren, dem Zwei-Geschlechter-System kritisch gegenüberstehen und häufig andere Wege der Geschlechtsangleichung gehen als das juristisch-medizinisch vorgesehene Modell von Transsexualität.

Transgender wird im weiteren Sinne auch als Oberbegriff verwendet. Dabei ist umstritten, inwiefern „transsexuell“ unter „transgender“ gefasst werden kann. Teilweise gibt es Abgrenzungsbestrebungen zwischen Menschen, die ihr Geschlecht klar innerhalb des Zwei-Geschlechter-Systems verorten und sich als transsexuell bezeichnen sowie Menschen, deren Identität nicht (vollständig) in dieses Modell passt und die sich als transgender bezeichnen.

Transgeschlechtlich

Transgeschlechtlich ist ähnlich wie Trans* ein weit gefasster Begriff für Menschen, die sich nicht oder nur teilweise mit dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren und/oder der damit verbundenen Geschlechterrolle. Der Begriff kann somit eine Vielzahl von Geschlechtsidentitäten und -ausdrucksweisen beschreiben, ohne auf ein medizinisch-juristisches Vokabular zurückzugreifen, das transgeschlechtlich als krankhaft bezeichnet.

Transident

Der Begriff wurde als Alternative zu „transsexuell“ eingeführt, um zu betonen, dass es sich um eine Frage der Geschlechtsidentität und nicht der Sexualität handelt.

Transmänner

Transmann ist eine mögliche Selbstbezeichnung von Männern oder sich (überwiegend) als männlich verstehenden Menschen, denen bei der Geburt das Geschlecht „weiblich“ zugewiesen wurde (andere Selbstbezeichnungen sind beispielsweise FzM (Frau-zu-Mann), FtM (Female-to-Male), Transmännlichkeiten oder Frau-zu-Mann-Transidenten).

Transsexuell

Als transsexuell bezeichnen sich manche Menschen, deren Geschlechtsidentität sich klar im Zwei-Geschlechter-System verortet und die sich mit dem „Gegengeschlecht“ des bei der Geburt zugewiesenen identifizieren (z.B. bei Geburt männlich zugewiesen – weibliche Geschlechtsidentität). Viele transsexuelle Menschen möchten hormonelle und körperliche Angleichungen an ihr Identitätsgeschlecht. Auch Menschen die nicht (oder nur teilweise) den Weg der Geschlechtsangleichung mittels Hormonen, Operationen sowie Namens- und Personenstandsänderung gehen, verstehen sich manchmal als transsexuell.

Der Begriff ist zudem das einzige medizinisch-juristische Modell für trans* Menschen. Von vielen trans* Menschen wird er abgelehnt, da er als psychiatrische Diagnose und medizinische Fremdbezeichnung pathologisierend ist und zudem die Endung -sexuell irreführt. Denn sie suggeriert, dass es sich um eine Frage der Sexualität und nicht der Geschlechtsidentität handle.

Darüber hinaus gibt es Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht in das starre Zwei-Geschlechter-System passt und die Selbstbezeichnungen wie non-binary, bi-gender, genderqueer, weder*noch, sowohl*als*auch, agender, gender-non-conforming, genderfluid etc. verwenden. Eine Gemeinsamkeit ist, dass ihre Geschlechtsidentität in einem starren Zwei-Geschlechter-System unsichtbar gemacht wird, da sie sich nicht in dieses Modell einordnen lässt, beide Normgeschlechter umfasst, sich verändert oder sich Zuordnungen komplett verweigert.

Inter*

Im Folgenden erläutern wir einige Verwendungsweisen von Inter*. Das mag zunächst verwirrend klingen, denn diese Begriffe sind nicht starr und statisch, sondern werden von unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Kontexten verschieden verwendet. Es gibt also immer wieder Diskussionen und Kontroversen darum, wie die Begriffe zu verstehen sind. Wir wollen hier nur versuchen, einen vorläufigen Überblick zu geben in dem Bewusstsein, dass wir niemals alle Verwendungsweisen abdecken können. Ebenso können wir nicht alle Begriffe hier definieren, mit denen sich inter* Menschen selbst beschreiben. Grundlegend wichtig ist es, jeden Menschen nach der eigenen Selbstbezeichnung zu fragen und diese zu respektieren.

Hermaphrodit

Wird von manchen intergeschlechtlichen Menschen als Selbstbezeichnung verwendet, dann oft in der Kurzform Herm. Als Fremdbezeichnung  jedoch problematisch, da der Begriff einen abwertenden Beiklang haben kann (siehe Zwitter).

Inter*

Ein aus der Inter*Bewegung entstandener, emanzipatorischer Oberbegriff für die Vielfalt intergeschlechtlicher Körperlichkeiten und Realitäten, der unter anderem Selbstbezeichnungen wie intergeschlechtlich, intersex, zwischengeschlechtlich, Hermaphrodit, Zwitter, intergender oder intersexuell umfasst.

Hinsichtlich ihrer Geschlechtsidentität könne sich inter* Menschen wie alle anderen Menschen als Männer, Frauen, Trans* oder anders definieren. Inter* wird manchmal auch als Selbstbezeichnung für die eigene Geschlechtsidentität verwendet.

Intergeschlechtlich

Eine mögliche Selbstbezeichnung von inter* Menschen, die nicht pathologisierend ist und zudem nicht die irreführende Endung -sexualität beinhaltet.

Intersex

Eine mögliche Selbstbezeichnung von inter* Menschen

Intersexualität

Bei dem Begriff handelt es sich um einen medizinischen und juristischen Begriff. Er wird teilweise als Selbstbezeichnung verwendet, oft jedoch als problematisch empfunden, da er als pathologisierende Diagnose verwendet für Menschen, deren Körperlichkeiten nicht in die medizinischen Normvorstellungen von männlichen und weiblichen Körpern eingeordnet werden können. Der Begriff Intersexualität wird im medizinischen Diskurs zunehmend durch „DSD“ („Disorders of Sexual Development“, dt. „Störungen der Geschlechtsentwicklung“) ersetzt. Aufgrund des Störungsbegriffs, der noch stärker pathologisierend wirkt, wird „DSD“ von vielen inter* Menschen abgelehnt.

Zwischengeschlechtlich

Umfasst verschiedene Selbstdefinitionen sowohl von inter* als auch trans* Menschen, deren Identität und/oder Körperlichkeit nicht in zweigeschlechtliche Normvorstellungen passen.

Zwitter

Doppelgeschlechtliches Wesen, das in der Tier- und Pflanzenwelt durch die Fähigkeit auszeichnet, gleichzeitig befruchten und befruchtet werden zu können. Als Bezeichnung für Menschen hat der Begriff häufig einen abwertenden Beiklang. Als Selbstbezeichnung kann er positiv belegt und selbstermächtigend angeeignet werden (siehe Hermaphrodit).

Cis-Geschlechtlichkeit

Der Begriff cis- wurde im Kontext der trans* Bewegung eingeführt, um Normvorstellungen zu hinterfragen. So sollen nicht nur vermeintliche Abweichungen sprachlich gefasst werden, sondern die Norm selbst soll benannt und damit als nicht einfach „normal“, sondern Teil eines weiten Spektrums geschlechtlicher Identitäten und Körperlichkeiten dargestellt werden. Viele Cis-Geschlechtliche kennt diesen Begriff bisher noch nicht und er stößt teilweise auf Widerstand, denn wer in der Mehrheit ist oder sich gar als „normal“ wähnt, will sich meist keiner Definition unterziehen. Diese Abwehrreaktionen stehen in Kontrast zum Umgang mit den als „Anderen“ wahrgenommenen, denen Etiketten (wie trans* oder inter*) zugemutet werden.

Cissexismus

Der Begriff beschreibt die Abwertung, Ausgrenzung und Diskriminierung von trans* Menschen. Cissexismus zeigt sich beispielsweise in der Abwertung von trans* Identitäten, verbalen und körperlichen Grenzüberschreitungen bis hin zu manifester physischer Gewalt. Der Begriff verweist zudem auf die Gewaltförmigkeit des Zwei-Geschlechter-Systems und der daraus resultierenden Ausschlüsse und Diskriminierungen von Menschen, die dessen Grenzen überschreiten. Der Begriff soll außerdem auf die spezifischen Diskriminierungserfahrungen von trans* Personen aufmerksam machen.

Das Sternchen

Das Sternchen soll verdeutlichen, dass es sich bei Geschlecht um ein Spektrum vielfältigster Geschlechtsidentitäten, Körperlichkeiten und Ausrucksweisen handelt. Es soll darauf hinweisen, dass alle Menschen, egal wo sie sich geschlechtlich verorten oder auf welchen Weg sie sich machen, ein akzeptierter Teil des gesamten Spektrums sind. Als solche haben alle das Recht, als sie selbst anerkannt zu werden und ganz individuell nach Erfüllung zu streben.